Verein für Herdengebrauchshunde

Süd- und Osteuropas

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Der Kraski Ovcar existiert als eigenständige Rasse erst seit den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Bis 1956 wurde nicht zwischen Sarplaninac und Kraski Ovcar unterschieden; man sprach vom "Istrianer Schäferhund" oder auch vom "Illyrischen Schäferhund". Bereits 1689 wird er erwähnt: Im Karstgebirge würden große und starke Hunde gehalten, die den Wolf furchtlos angriffen. Der Hund müsse wachsam sein und in gegebener Situation selbständig und ohne Befehl seines Herrn handeln. Unterordnungsübungen kenne er nicht; er greife an, wenn ein Angriff nach seinem Ermessen richtig sei. Diese grundsätzlichen Charaktereigenschaften hat sich der Kraski Ovcar bis heute bewahrt. 

Ara und Zana Srednjedravska bei der Arbeit an der Herde in SLO.  Besitzer: Irma Bencic


Der Kraski Ovcar ist der slowenische Herdenschutzhund aus dem Karstgebirge. Es handelt sich um eine autochthone Rasse, die bis vor 25 Jahren in Deutschland völlig unbekannt war. Das liegt vor allem daran, daß es bis 1970 verboten war, diese Hunde aus dem damaligen Jugoslawien in andere Länder auszuführen. Dann jedoch entdeckte die Regierung die mögliche Devisenquelle und erlaubte den Export. Doch erst 1978 wurden die ersten Hunde nach Deutschland importiert.Bis heute ist der Kraski Ovcar eine der seltensten Hunderassen in Deutschland. Gezüchtet wird der Kraski Ovcar in Deutschland zwar auch bereits seit 1978, doch sind seither erst wenige Würfe gefallen. Auch in Österreich ist die Rasse noch wenig bekannt, ebenso in der Schweiz. In Italien gibt es einige Rassevertreter, in den Niederlanden gibt es zwei Züchter.

 

links: Sarplaninac-Rüde (8 Jahre); Mitte: Kraski Ovcar-Hündin (11 Monate); rechts: Kraski Ovcar-Rüde (5 Monate)

Der Kraski Ovcar ist ein mittelgroßer, kräftiger Hund mit Hängeohren und reicher Behaarung. Die Größe sollte bei Rüden 63cm Widerristhöhe nicht überschreiten, Hündinnen sind etwas kleiner. Als Farbe ist nur Eisengrau zugelassen, das an den Läufen ins Sandfarbene oder Hellgraue übergeht. Helle und dunkle Schattierungen sind erlaubt. Das Haarkleid ist am Kopf und den Vorderseiten der Läufe kurz, sonst lang mit dichter, sandfarbener oder hellgrauer Unterwolle. Besonders Rüden tragen eine reiche, dichte Mähne. Die Augen sollen dunkel sein. Das Gebiß ist für einen Hund dieser Größe außergewöhnlich stark entwickelt.

Im Wesen ist der Kraski Ovcar ein echter Herdenschutzhund: ruhig, jedoch blitzschnell zur Stelle, wenn es darauf ankommt, er ist seinen Menschen liebevoll und treu zugetan, jedoch selbstbewußt, intelligent und selbständig, alles in allem ein hervorragender, unbestechlicher Wachhund.

Ursprünglich fand der Hund Verwendung als Beschützer großer Schafherden im Karstgebirge. Dort lebte er als typischer Hirtenhund (nicht: Hütehund! Ein Hütehund (siehe auch "Hrvatski Ovcar")treibt die Herde auf Befehl des Hirten und hält sie zusammen, ein Hirtenhund paßt selbständig auf sie auf!) inmitten der Herde und bewachte sie vor Wölfen, Bären und zweibeinigem Diebesgesindel. Zu seinen typischen Charaktermerkmalen gehörte neben großer Intelligenz und Wachsamkeit eine gewissen Selbständigkeit. Er mußte eingreifen, wenn Gefahr drohte und konnte dazu nicht den Befehl des Hirten abwarten, der oftmals weit entfernt war.

Diese Selbständigkeit hat sich der Kraski Ovcar bis heute bewahrt, was ihn ungeeignet für rasche, devote Unterordnung macht, so wie man sie z.B. beim Deutschen Schäferhund kennt. Aufgrund seiner natürlichen Wachsamkeit, seiner Selbständigkeit und seiner Intelligenz ist es auch unsinnig, ihn zum Schutzdienst heranziehen zu wollen.

Heute wird der Kraski Ovcar auch im Ursprungsland mehr und mehr als Wachhund für Haus, Hof und Familie gebraucht. Die Schafherden werden immer weniger, und so fand der Hund in der Bewachung seiner "Menschenherde" und ihrer Umgebung eine neue Aufgabe. Dies ist auch der Grund dafür, daß besonders diese Rasse für Zwingerhaltung völlig ungeeignet ist (abgesehen davon, daß man keinen Hund, gleich welcher Rasse, im Zwinger halten sollte. Der Hund ist ein hochsoziales Rudeltier, dem man mit Zwingerhaltung Einzelhaft antut!). Der Kraski Ovcar will inmitten seiner "Herde" leben und braucht die Aufgabe, sie zu beschützen, sonst verkümmert er und wird zum Kläffer oder unberechenbaren Raufer.

In der Entwicklung vom Junghund zum Erwachsenen läßt sich der Kraski Ovcar viel Zeit. Erst mit etwa drei Jahren ist er völlig ausgewachsen. Seine Wachsamkeit entwickelt er oftmals erst im Alter von 18 Monaten. Das heißt jedoch nicht, daß der Hund nicht von frühester Jugend an eine liebevolle – aber konsequente! – Erziehung genießen sollte. Die Hunde dieser Rasse sind zwar eigensinnig und nicht so einfach zu lenken wie der bereits erwähnte Deutsche Schäferhund, doch mit Einfühlungsvermögen und Hundeverstand durchaus zu liebenswerten Familienmitgliedern zu erziehen. Dieser Hund gehörte jedoch besser in hundeerfahrene Hände und eignet sich nicht so gut für "Hundeanfänger".

 

 

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